Warum Cetinje besonders ist
Cetinje war vom 15. Jahrhundert bis 1918 die Hauptstadt Montenegros, als das Koenigreich mit Jugoslawien fusionierte. Jahrhundertelang war es der Sitz der montenegrinischen Fuerstbischoefe, und im spaeten 19. Jahrhundert beherbergte es diplomatische Vertretungen der europaeischen Grossmaechte -- Russland, Frankreich, Grossbritannien, Oesterreich-Ungarn, Italien. Die Botschaften, die sie bauten, stehen noch entlang der baumgesaeumten Strassen, die meisten inzwischen zu Museen und Galerien umgewandelt.
Die Stadt liegt auf 670 Metern auf einem Karstplateau unterhalb des Berges Lovcen, umgeben von trockenen grauen Bergen, die das Gefuehl der Abgeschiedenheit verstaerken. Cetinje fuehlt sich an wie ein Ort, der einst enorm wichtig war und nun in wuerdevoller Stille existiert. Genau das ist sein Reiz. Es gibt keine Menschenmassen, keine Kreuzfahrtschiffe, keine Souvenirlaeden mit Kuehschrankmagneten. Nur Steingebaeude, alte Linden und Vogelgesang im Klosterhof.
Kloster Cetinje
Das Kloster Cetinje ist das geistliche Herz der montenegrinisch-orthodoxen Kirche. 1484 gegruendet, mehrfach zerstoert und wiederaufgebaut, stammt der heutige Bau von 1786. Das Kloster beansprucht, ein Fragment des Wahren Kreuzes und die rechte Hand Johannes des Taeufers zu beherbergen -- Reliquien, die Pilger aus der gesamten orthodoxen Welt anziehen. Besucher koennen den Klosterhof und die Kirche frei betreten; fuer die Schatzkammer mit den Reliquien ist eine separate Eintrittskarte erforderlich. Fotografieren ist im Inneren nicht gestattet.

Der Museumsrundgang
Cetinjes Museumsdichte ist bemerkenswert fuer eine Stadt mit 15.000 Einwohnern. Das Nationalmuseum von Montenegro befindet sich im Palast von Koenig Nikola -- ein ueberraschend bescheidenes Gebaeude fuer eine koenigliche Residenz, gefuellt mit Waffen, Orden und Moebeln des 19. Jahrhunderts. Das Biljarda-Gebaeude (benannt nach dem Billardtisch, der ueber die Berge geschafft wurde fuer Fuerstbischof Petar II.) beherbergt ein Reliefmodell von Montenegro, das allein den Eintritt wert ist. Das Kunstmuseum besitzt Montenegros bedeutendste Ikonensammlung.
Die Botschaftsstrasse
Entlang der Njegoseva-Strasse und der umliegenden Blocks tragen prachtvolle Gebaeude Schilder, die sie als ehemalige Botschaften Russlands, Frankreichs, des Osmanischen Reiches, Grossbritanniens und Oesterreich-Ungarns ausweisen. Jede in einem anderen Baustil -- russischer Neoklassizismus, franzoesisches Second Empire, osmanische Neorenaissance -- was eine Miniaturgeschichte europaeischer Diplomatie in Stein schafft. Die meisten sind heute Institutionsgebaeude oder Galerien. Der Rundgang dauert 30 Minuten und vermittelt ein eigenartig beruehrendes Gefuehl eines winzigen Bergkoenigreichs, das einst weit ueber sein Gewicht auf der Weltbuehne hinaus agierte.
Weiter zum Lovcen
Von Cetinje fuehrt eine dramatische Bergstrasse zum Lovcen-Nationalpark und zum Njegos-Mausoleum auf 1.657 Metern. Die Strasse ist schmal mit Haarnadelkurven, aber durchgehend asphaltiert. Wenn Sie einen ganzen Tag haben, ist die Kombination von Cetinje mit dem Lovcen eine der schoensten Tagestouren Montenegros. Alternativ fahren Sie Richtung Norden zum Durmitor -- siehe unseren Fahrguide Podgorica nach Durmitor.
Wo man in Cetinje essen sollte
Die Stadt hat eine Handvoll einfacher Restaurants und Cafes entlang der Hauptfussgaengerzone. Ocev Kutak serviert traditionelle montenegrinische Gerichte -- Lamm unter dem Sac (einem gewoelbten Metalldeckel, bedeckt mit Glut), Njeguski-Steak gefuellt mit Schinken und Kaese und gegrillte Paprika mit Kajmak. Die Portionen sind gross und die Preise deutlich niedriger als an der Kueste. An warmen Tagen scheint jedes zweite Gebaeude eine Terrasse mit Bergblick zu haben.
Praktische Tipps
- Strasse: Die Strasse Podgorica-Cetinje ist gut ausgebaut und steigt stetig durch einen Bergpass an. Jedes Auto bewaeltigt sie problemlos.
- Parken: Kostenlos, reichlich vorhanden und nie ein Problem. Strassenparken ist ueberall moeglich.
- Zeitbedarf: Ein halber Tag reicht fuer Kloster, zwei Museen und Mittagessen. Ein ganzer Tag schliesst den Lovcen mit ein.
- Schuhwerk: Bequeme Wanderschuhe. Die Stadt ist flach, aber der Museumsrundgang fuehrt ueber Kopfsteinpflaster.