Warum alle Podgorica ueberspringen
Podgorica hat ein Imageproblem. Reisefuehrer tun es als tristen Nachkriegs-Betonbau ohne Sehenswuerdigkeiten ab. Reisende landen am Flughafen TGD, holen ihren Mietwagen und fahren direkt an die Kueste oder in die Berge. Die Stadt selbst bekommt hoechstens eine Stunde Fahrzeit -- ein verschwommenes Bild aus Wohnbloecken und Kreisverkehren zwischen Flughafen und erstem Tunnel.
Dieses Image ist ueberholt. Das Podgorica von heute hat eine verkehrsberuhigte Flusspromenade entlang der Moraca, eine Reihe wirklich guter Restaurants, die in jeder europaeischen Hauptstadt bestehen koennten, und genug osmanische und oesterreichisch-ungarische Architektur im Viertel Stara Varos fuer einen entspannten Vormittagsspaziergang. Es ist kein Touristenziel -- und genau deshalb belohnt es Besucher, die tatsaechlich anhalten.
Stara Varos: Das osmanische Viertel
Die Altstadt liegt zwischen den Fluessen Ribnica und Moraca. Erhalten geblieben sind unter anderem der Sahat-Kula-Uhrenturm -- ein gedrungener osmanischer Wachturm, heute umgeben von Cafeterrassen -- sowie einige enge Gassen mit Steinwaenden und vorspringenden Balkonen. Die Festungsruine Ribnica ueberblickt den Zusammenfluss beider Fluesse. An Sommerabenden fuellen sich die Terrassencafes mit Einheimischen, die Macchiato trinken und den Sonnenuntergang hinter den Bergen beobachten. Touristen sind im Verhaeltnis von etwa fuenfzig zu eins unterlegen.

Der gruene Korridor: Die Moraca-Uferpromenade
Das beste Merkmal der Stadt ist ihr Fluss. Die Moraca fliesst kalt und ueberraschend sauber durch das Zentrum -- Einheimische schwimmen an Sommernachmittagen direkt unterhalb der Millennium-Bruecke darin. Ein durchgehender Spazier- und Radweg folgt beiden Ufern ueber mehrere Kilometer und verbindet Parks, Spielplaetze und Aussencafes. Die Millennium-Bruecke selbst ist Podgoricas fotogenstes Bauwerk: eine Schraegseilbruecke, nachts blau beleuchtet, mit den Bergen im Hintergrund. Gehen Sie bei Sonnenuntergang darueber.
Wo man essen sollte
Podgorica ueberrascht kulinarisch. Die Stadt hat Montenegros groesste Restaurantdichte, und die Preise sind deutlich niedriger als an der Kueste. Pod Volat serviert montenegrinische Holzofenkueche in einem umgebauten Bauernhof-Ambiente. Lanterna besetzt seit Jahrzehnten dieselbe Ecke in der Altstadt und serviert gegrillten Flussfisch und Niksicko vom Fass. Fuer etwas Modernes probieren Sie die Restaurants entlang des Bulevar Svetog Petra Cetinjskog -- Podgoricas Hauptgastromeile.
Wenn Sie Richtung Norden fahren, decken Sie sich zuerst auf dem Bauernmarkt ein. Die Brauerei in Niksic ist einen eigenen Ausflug wert -- siehe unseren Guide zu Niksic, Kapino-Wasserfaelle und Krupac-See.
Der Gruene Markt
Podgoricas zentraler Bauernmarkt findet jeden Morgen ausser sonntags statt. An den Staenden werden saisonale Produkte aus dem umliegenden Zeta-Tal verkauft -- Paprika, Tomaten, Pflaumen, Feigen -- dazu Honig aus den Bergdoerfern und Laibe von Njeguski-Kaese. Kommen Sie vor 10 Uhr fuer die beste Auswahl. Das Marktgebaeude beherbergt auch einige Metzger, die Prsut (luftgetrockneten Schinken) verkaufen, sowie ein paar Theken mit frischem Burek.
Podgorica als Ausgangspunkt fuer Tagesausfluege
Die Lage der Hauptstadt ist ihr groesstes Plus. Innerhalb von 90 Minuten erreichen Sie den Skutarisee, Cetinje, das Kloster Ostrog oder den Beginn der Moraca-Schluchtstrasse. Innerhalb von drei Stunden den Durmitor-Nationalpark und die Adriakueste. Keine andere montenegrinische Stadt bietet diese Vielfalt. Wenn Sie wenig Zeit haben, sind Virpazar und das Seeufer der schnellste Ausflug -- siehe unseren Skutarisee-Fahrguide.
Praktische Tipps
- Parken: Kostenlose Strassenparkplaetze sind ausserhalb des Zentrums leicht zu finden. In der Naehe der Altstadt nutzen Sie die markierten Kurzparkzonen -- Tickets am Kiosk oder per SMS.
- Hitze: Podgorica ist eine der heissesten Hauptstaedte Europas. Juli und August erreichen regelmaessig 40 Grad. Planen Sie Spaziergaenge im Freien fuer den fruehen Morgen oder spaeten Nachmittag.
- Zu Fuss: Das Zentrum ist kompakt. Von Stara Varos zur Millennium-Bruecke sind es 15 Minuten zu Fuss. Ein Auto brauchen Sie in der Stadt nicht.
- Kaffeekultur: Montenegriner trinken Kaffee langsam. Jedes Cafe hat Aussensitzplaetze. Planen Sie mindestens eine ungeplante Stunde dafuer ein.