Warum es diese Strasse gibt
Die Moraca-Schlucht ist eine senkrechte Kalksteinklamm, die der Fluss Moraca durch die Dinarischen Alpen zwischen Podgorica und Kolasin geschnitten hat. Die Waende ragen hunderte Meter auf beiden Seiten empor, teilweise fast senkrecht, waehrend der Fluss blaugruen am Grund fliesst. Jahrzehntelang war diese Schlucht das Haupthindernis auf der Strasse, die Montenegros Hauptstadt mit dem noerdlichen Hochland verbindet.
Die moderne Autobahn -- die E65 -- wurde in der jugoslawischen Aera in die Schluchtwande gehauen und bleibt eine der dramatischsten Ingenieurleistungen im Strassenbau Suedeuropas. Tunnel durchstossen Felssporne, Bruecken ueberspannen Seitenschluchten, und stellenweise klebt die Strasse an der Felswand, wobei nur eine niedrige Leitplanke den Asphalt von einem 200-Meter-Abgrund trennt. Es ist aufregend, wunderschoen und bei vernuenftiger Geschwindigkeit voellig sicher.
Was Sie auf der Strasse erwartet
Der Schluchtenabschnitt beginnt etwa 20 km noerdlich von Podgorica und erstreckt sich ueber rund 30 km. Die Strasse ist eine gut gepflegte zweispurige Schnellstrasse mit regelmaessigen Tunneln (Licht anlassen). Der Verkehr kann mit LKW Richtung Serbien stark sein, besonders an Werktagen. Ueberholmoeglichkeiten sind in der Schlucht begrenzt -- Geduld ist gefragt. Die Szenerie ist durchgehend aussergewoehnlich: steile Felswaende mit Mineralstreifen, Wasserfaelle von unsichtbaren Quellen oben und der Fluss weit unten, sichtbar durch Luecken in der Leitplanke.

Kloster Moraca
Etwa auf halber Strecke durch die Schlucht liegt das Kloster Moraca in einem erweiterten Abschnitt der Klamm, wo der Talboden gerade breit genug fuer eine ummauerte Anlage, eine Kirche und einen Garten ist. 1252 gegruendet, ist es eines der besterhaltenen mittelalterlichen serbisch-orthodoxen Kloester in Montenegro. Das Kircheninnere enthaelt originale Fresken aus dem 13. Jahrhundert, die das Leben des Propheten Elias darstellen -- zu den feinsten mittelalterlichen Wandmalereien auf dem Balkan gehoerend. Der Klostergarten produziert Honig, der an einem kleinen Laden am Eingang verkauft wird. Der Eintritt ist frei. Der Parkplatz befindet sich direkt an der Hauptstrasse.
Beste Aussichtspunkte
Mehrere informelle Haltebuchten entlang der Schluchtstrasse bieten dramatische Ausblicke. Die fotogensten befinden sich im suedlichen Drittel der Schlucht, wo die Waende am hoechsten und der Fluss am besten sichtbar ist. Achten Sie auf verbreiterte Seitenstreifen mit geparkten Autos -- das sind inoffizielle Aussichtspunkte, die von Einheimischen und Fotografen genutzt werden. Die Bruecke bei Medurijecje bietet einen direkten Blick hinab in die Schlucht. Am Nachmittag faengt die westliche Wand direktes Sonnenlicht ein und faerbt die Felsoberflaeche gold und orange.
Weiterfahrt Richtung Norden
Die Schlucht endet nahe Kolasin, einer kleinen Bergstadt, die als Tor zu Biogradska Gora und dem Skigebiet Kolasin 1600 dient. Von Kolasin koennen Sie westlich nach Mojkovac und dann suedwestlich nach Zabljak und zum Durmitor-Nationalpark weiterfahren. Siehe unseren vollstaendigen Fahrguide Podgorica nach Durmitor.
Praktische Tipps
- Fahren: Licht in Tunneln anlassen. Nicht in unuebersichtlichen Kurven ueberholen. Auf LKW achten. Die Strasse ist sicher, erfordert aber Aufmerksamkeit.
- Tanken: Tanken Sie in Podgorica. Es gibt keine Tankstellen in der Schlucht. Naechste Tankstelle: Kolasin.
- Stopps: Planen Sie 20-30 Minuten fuer das Kloster Moraca ein. Kalkulieren Sie Zeit fuer Fotostopps -- Sie werden sie brauchen.
- Fotografie: Nachmittagslicht ist am besten fuer die Schluchtwande. Das Kloster laesst sich bei jedem Licht gut fotografieren.